#46

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 16.08.2011 09:00
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

ich hatte mal die Vasa aus einem Baukasten gebaut, und da habe ich mich gewundert, das die Stückpforten des untersten Batteriedecks den Lauf der Barkhölzer folgten. Da hatte ich mich ein wenig eingelesen.

Grüße Kay

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#47

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 16.08.2011 09:15
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

danke für den Link, Katalog ist schon bestellt.


Grüße Kay

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#48

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 16.08.2011 13:01
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Hallo Kay,

bis zum Bau der Sovereign folgten die Kanonendecks bis ca Beginn des Achterdecks den Barkhölzern. Um dann nicht zu hoch und in einen zu steilen Bereich für die Handhabung der Geschütze zu kommen, wurden sie eine Stufe nach unten gesetzt und weitergeführt. Man sieht das sehr gut bei der PrinceRoyal von1610.
Der Grund dafür war, dass die inneren Hölzer die zur Verstärkung der Spantverbindungen angebracht waren und paralell mit den Barkhölzern verliefen, zugleich die Auflage für die Hauptdecksbalken waren. Ab der Soverein gab es dann die durchgehenden Decks.

Grüsse
Willi

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#49

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 16.08.2011 21:59
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

habe verstanden. Ich habe mich immer bei der Prince Royal über die Lage der Stückpforten gewundert, Jetzt ist alles klar.

Grüße Kay

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#50

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 17.08.2011 17:39
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Servus an alle

Bevor ich mit der Fortsetzung " Schnitzen" beginne, möchte ich einiges erklären, damit ihr mich später nicht an den Mast nageln, oder an die Grossrah hängen wollt.

Der Sommer ist zurückgekehrt und ich bin daher fast jeden Tag,sofern der Wind weht, mit meinem Segelboot auf der Alten Donau unterwegs. Im September beginnt die Bowling - Meisterschaft und unseren Verein, in dem ich mit meinem Sohn spiele, kann ich natürlich auch nicht im Stich lassen.
Seit also nicht ungehalten wenn einige Zeit von mir kein Beitrag kommt.

Nun zurück zum Schnitzen.
Ich möchte erwähnen, dass alle Tips aus Erfahrungswerten bestehen, die ich Laufe der Jahre gemacht habe und es ist kein Muss meinen Ratschlägen zu folgen.
Beim Schnitzen von Galionsfiguren, seien es Reiter oder Löwen empfielt es sich, um unötige Zeit mit dem Wegschnitzen von Totmaterial zu vergeuden den Rohling vorzurichten. Damit meine ich dass soviel Holz wie nötig wegeschliffen oder gesägt wird. Die aufgebrachte Zeichnung ist natürlich nur mehr in Fragmenten , oder gar nicht mehr vorhanden. Nun ist es sinnvoll die Kopie der Zeichnung die man vorher angefetigt hat, zu teilen, um sie fachgerecht aufzubringen. Die Teilzeichnungen werden feucht gemacht um sie an den entsprechenden Stellen anzuschmiegen und mit etwas Kleister, oder verdünntem Weissleim aufgeklebt. Jetzt kann man mit dem tatsächlichen Schnitzen beginnen.

Grüsse
Willi

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#51

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 17.08.2011 21:00
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

also ich wäre für Kielholen. Aber Spass beiseite, natürlich gehen andere Dinge vor, und Familie sowieso. Geht uns doch hier allen so. Trotzdem freuen wir uns darauf, wie es weiter geht.

Zum Schnitzen: Sehe ich das richtig, dass Du die Figur teilst? Also die Mähne später dazu schnitzt?


Grüße Kay

zuletzt bearbeitet 17.08.2011 21:03 | nach oben springen

#52

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 18.08.2011 07:03
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Hallo Kay

Ich teile nicht die Figur, sondern nur die Zeichnung. Um die Umrisse rictig auszusägen muss ich mir die Zeichnung auf das Holz kleben. Um Zeit zu sparen wird das Werkstück dann grob in die Form gebracht. Entweder mit einer Feile, oder auf dem Schleifband. Dadurch ist die Zeichnung aber micht mehr , oder nur mehr teiweise vorhanden. Die komplette Kopie der Zeichnung passt jetzt natürlich nicht mehr auf das Hozlzstück,da die Flächen nicht mehr gerade sind.Dadurch dass ich die Kopie der Zeichnung teile und anfeuchte, kann ich sie wieder auf das Holz kleben und nun kann mit dem Schnitzen begonnen werden.

Grüsse
Willi

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#53

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 18.08.2011 19:53
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Fortsetzung Schnitzen

Hallo

Nach den Zeichnungen, Kopien derselben und den Vorarbeiten, komme ich jetzt zum Schnitzen selbst und nehme als Beispiel den Galionslöwen. Bei englischen Schiffen war der Galionslöwe, ausser in der Regierungszeit Cromwells, mit einer Krone versehen. Da ich aber in erster Linie auf das Schnitzen eingehe spielt das eine untergeordnete Rolle.

Man sollte bei dem Löwen mit dem Kopf ohne der Mähne beginnen. Dazu wird zuerst mit einem Zungen ähnlichen Schnitzmesser die Stufe, die sich bei Stirn und Mähne ergib,t eingeschnitzt. Danach beginnt man grob die Augen und den Nasenrücken vorzuschnitzen. An der Nasenfront sollte genug Material stehen bleiben, um anschliessend das halboffene Maul mit den Zähnen und die Wangen auszuarbeiten. Es ist keine Sünde wenn man sich bei gewissen Teilen, statt des Schnitzmessers die Feile zu hilfe nimmt. Wichtig ist nur dass der Kopf bereits die grobe Form des Löwen in den richtigen Proportionen zeigt. Jetzt wäre der günstigste Moment die ersten Stränen der Mähne, die den Kopf umrahmen, bis zu den Vordertatzen heraus zu schnitzen. Wenn der Kopf mit Mähnenansatz den Vorstellungen entspricht, wird der Kopf fertig geschnitzt. Zuvor sollte man aber noch das frontale Loch und das seitliche Loch bohren, um das Maul ausschnitzen zu können. Der Rest des Körpers mit den Hinterbeinen und der Bauch sind dann keine Hexerei mehr. Alledings sollte man berücksichtigen, dass den ganzen Bauch entlang Haarstränen sind und ebenso wie die Zeichnung es zeigt, an den Gelenken der Hinterbeine. Man muss also genug Material stehenlassen um diese Haarbüschel am Schluss heraus zu arbeiten.

Wird Fortgesetzt

Grüsse
Willi

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#54

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 18.08.2011 20:44
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

super erklärt, ich hoffe nur dass ich hier mit dem Haus bald fertig werde und Deine Ratschläge umsetzen kann.

Grüße Kay

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#55

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 20.08.2011 18:56
von Frank • 81 Beiträge

Hallo Willi

Nach ein paar Tagen Pause finde ich auch mal wieder ein wenig Zeit, um zu sehen was es neues gibt. Arbeite im Moment auswärts- also früh raus , spät rein, da fehlt es abends schon auch mal an der Lust und es ist ja auch ein Wetterchen im Moment, da muss mann nicht nur in der Bude hängen. Kommen auch wieder schlechte Tage.
So, deine Bilder sind ja wie immer genial und machen Lust auf mehr. Im Münstertal gibt es eine Barockkirche, da will ich demnächst mal hin. Da kann ich auch mal ein paar Bilder machen und wenn es Intresse gibt in sForum stellen. Wäre bestimmt auch für Kay interressant. Hab inzwischen einen neuen Fotoapparat, nun krieg ich vielleicht auch mal ein paar scharfe Bilder hin.
Deine Schnitzanleitung ist schon mal Spitze. Die beiden Bohrungen für das Maul, bzw die Ausarbeitung der Zähne, das hätte ich mir wohl komplizierter gemacht. Schon mal dran gedacht ein Buch zu schreiben? Den ersten Abnehmer hättest du schon.
Also auch wenn ich im Moment nicht so viel Zeit habe, ich bleib dran.

Grüsse Frank

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#56

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 21.08.2011 12:03
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Hallo Frank

Freut mich, dass dir meine Anleitung gefallen hat. Das mit einem Buch schreiben ist ein eigenes Kapitel. Ich vor Jahren in der Zeischrift Praktiker ( eigentlich eine Elektronik-Zeitschrift ) auf ersuchen des damaligen Chefredakteurs zwei Jahre lang regelmässig Artikel über den engl.Schiffsbau veröffentlicht. In der Buchreihe "Das Historische Schiff als Modell" von Alfred Albert in vier Ausgaben ebenfalls. Über den Bau des Modells" Polar-Expeditionsschiffes Admiral Tegetthoff", den Ich mit zwei Freunden im ORF -Zentrum im Maßstab 1:20 durchgeführt habe, habe ich mit Adolf ein Buch geschrieben. Unser Modell steht seit einigen Jahren im Naturhistorischen Museum in Wien.

Angefügte Bilder:
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#57

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 24.08.2011 21:02
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Fortsetzung Schnitzen
Hallo

Es tut mir leid, dass im vorigen Beitrag einige Rechtschreibfehler aufgetreten sind, aber ich war zeitlich sehr in Eile.
Doch die Bilder des Modells vom Polar -Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff geben mir die Möglichkeit einen grossen Zeitsprung zu machen.
Die Dekorationen vom 17. und 18. Jahrhundert gehen von der selben Grundkonzeption aus, den Figuren des Altertums,- mit der kleinen Einschräkung, dass die Üppigkeit des Barock den etwas feineren und eleganteren Linien des Rockoko weichen musste. Die figuralen Elemente entsprachen
nun mehr den Proportionen der Realität und die schmückenden Beielemente wurden zarter. Ab dem 19.Jahrhundert wurde die überschwengliche - und vor allem für Kriegschiffe unnütze und teure Dekoration auf das Notwendigste beschränkt. Der Galionsfigur und einigen Verzierungen am Heck. Das beste Beispiel dafür ist der Vergleich der Victory von 1765 und der Umbau von 1802. Nach den "Napoleonischen Kriegen" wurde auch das Design der Schiffe wieder verändert und damit auch die Verzierungen. Bis zum Ende der Segelkriegsschiffe änderte sich dann dekorativ nichts mehr.

Nach dieser Feststellung, die wahrscheinlich sowieso jeder wusste, möchte ich bevor ich wieder zum 17.und 18. Jahrhundert zurückkehre, die spärliche Ausschmückung des Admiral Tegetthoff zeigen. Das Modell wurde für eine ORF Dokumentation, die die Schrecken und Gefahren von Schiff und Mannschaft bei der einzigen "Österreichischen Polarexpedition 1872-74", bei
der das bis dahin unbekannte Archipel Franz Josef-Land entdeckt wurde, zeigen. Die Voraussetzungen für den Bau waren eine Ansammlung von normalerweise unmöglichen Bedingungen.
Das Modell im Maßstab 1:20 musste in neun Monaten Bauzeit fertig sein. Das Modell musste natürlich schwimmfähig sein und in allen Einzelheiten dem Original entsprechen. Alles musste voll funktionsfähig sein. Von den aufklappbaren Skylights über die Mastwinschen, der hebbaren Schiffsschraube, der Ruderanlage, des Spills und natürlich vor allem der Besegelung, da das Modell sowohl unter vollen Segel, wie auch mit geborgenen Segeln gefilmt wurde. Der Überhammer aber war, dass das Modell wie das Originalschiff bei minus 45-50 Grad eingefroren wurde. Das Einfrieren selbst war das geringste Proiblem. Wichtig aber war laut Vertragsbedingungen, dass das Modell beim Auftauen keinen Schaden nahm, da es nach Abschluss der Dreharbeiten ins Museum kam. Dass alles gut ging und alle Voraussetzungen , bei diesem, wie die meisten Modellbauer es ausdrückten, Wahnsinnsprojekt, eingehalten wurden, war nicht nur meinem "Know How",und meiner Projektleitung, sondern vor allem der perfekten Zusammenarbeit meiner beiden Freunde - Adolf Achtsnit, sowie Rudi Ermer und mir zu verdanken.
Wenn Interesse besteht werde ich einen Artikel über den Bau dieses aussergewöhnlichen Modells ins Forum stellen.

Nun aber zu den Dekorationen des Admiral Tegetthoff.
Die Galionsfigur zeigt den Kopf und Verzierungen. Am Heck ist nur etwas Laubverschnitt und der Schiffsnamen.

Grüsse
Willi

Angefügte Bilder:
Galion Admiral Tegetthoff.jpg
11 (Medium) Kopie.jpg
Bug (Medium) Kopie.jpg
Heck (Medium).JPG
zuletzt bearbeitet 24.08.2011 21:09 | nach oben springen

#58

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 25.08.2011 10:55
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

Wahnsinnsprojekt ist da ja noch gelinde ausgedrückt. Da habt ihr doch bestimmt 12 Stunden am Tag gearbeitet, oder? Beim einfrieren hätte ich bestimmt geheult, weil ja keiner wusste was noch ganz wieder rauskommt. Aber es hat ja nun geklappt. Baubereicht, wenns Deine Zeit zulässt, ist bestimmt interessant.

Grüße Kay

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#59

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 25.08.2011 17:01
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Hei Leutle

Da kann ich nur zustimmen . Der Baubericht wäre allemal interessant, also wann immer du Zeit und Lust hast. Das Schiff war eher praktisch ausgelegt, hat aber dennoch seine Reize. Mit so nem Teil heute durchs Mittelmeer - da wäre ich gleich dabei. Der Maßstab läßt viel Spielraum, um sich in Details austoben zu können, aber die eigentliche Herrausforderung war wohl die Funktionstüchtigkeit oder? Aber wenn mann dann am Ende das Ergebnis sieht, alles funktioniert, dann war doch sicher auch ne Menge Spass dabei und stolz ist mann sicher auch.

in diesem Sinne Grüsse von Frank

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#60

RE: Schnitzen der Dekoration

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 25.08.2011 20:01
von Kay (gelöscht)
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Hallo Frank,

habe alles zusammengepackt, meine Frau muß jetzt einen Koffer da lassen. Man muss Prioritäten setzen, oder?? Freue mich auf Samstag.

Grüße Kay

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