#1

Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 02.09.2011 11:33
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Hallo alle zusammen

Nach dem Thema - Schnitzen-, zu dem eigentlich nur mehr hinzu zu fügen ist, dass der richtige Winkel der Schneide des Schnitzmessers ein entscheidender Faktor ist, um eine saubere Schnitzung zu erreichen, komme ich zum Vergolden.

Es ist mir bewusst, dass nur einige wenige sich die Arbeit antun werden, die Dekorationen ihres Modelles mit Blattgold zu vergolden.
Die Alternative ist eine Lackvergoldung.
Bei einer Lackvergoldung ist nur die Qualität des Lackes der entscheidende Punkt. Ob die Vergoldung nach einigen Jahren noch immer schön ist, kann ich nicht beantworten. Über die Vor- und Nachteile der Golkdlacke sollte man sich im Internet informieren. Goldlacke die auf Messingbasis aufgebaut sind sollte man nicht verwenden, da die Vergoldung mit der Zeit grün wird.
Eine andere Art ist die Vergoldung mit Goldpuder.
Puder ist vielleicht nicht die richtige Bezeichnung, da es sich eher um eine Paste handelt. Der Nachteil dabei ist, dass eine schön glänzende Vergoldung eher nicht erreicht wird und sollte daher nur zum Ausbessern von Fehlstellen verwendet werden.
Wer es sich leisten will, kann seine Schnitzereien auch galvanisch vergolden lassen.
Die beste und schönste Vergoldung ist nach wie vor die Blattvergoldung.

Blattvergolden
.
Man unterscheidet zwei Arten - die Kreidevergoldung (Poliment ) - und die Ölvergoldung.
Da bei den Kleinteilen eine Kreidevergoldung unmöglich ist, möchte ich nur auf die Ölvergoldung eingehen.

Die Ölvergoldung

Der Ausdruck bezieht sich auf den Klebegrund der auf Leinölbasis beruht., die Mixtion. Sie ist flüssig und in Dosen erhältlich. Es gibt davon zwei Warianten, - 6 Stunden und 12 Stunden. Die Stundenangabe bezieht sich auf die Trockenzeit, die abgewartet werden muss, bevor man mit dem Vergolden beginnen kann.
Das Wichtigste für eine saubere und schön glänzende Vergoldung ist der Untergrung bevor das Mixtion aufgebracht wird. Je glänzender der Untergrund ist, um so schöner wird die Vergoldung. Dieser Untergrung wird durch das Aufbringen von Schellack ereicht. Diesen gibt es bereits fertig in drei Forbtönen zu kaufen.
Ich selbst bevorzuge mir den Schellack selbst anzusetzen. Dazu werden Schellackblättchen in Spritus aufgelöst .
Beim Auftragen des Schellacks ist es notwendig mit einem harten flachen Pinsel zu arbeiten, um Rückstände in Vertiefungen zu vermeiden. Nach der Trocknung wird nun die Mixtion aufgetragen. Dabei gibt es einen Grundsatz -" Je dünner desto besser ". Auch wenn es hart erscheint lange zu warten, aber mit dem 12 Stunden Mixtion erzeilt man die besten Ergebnisse. Nur sollte man mit der Vergoldung, bei normaler Zimmertemperatur nicht gleich nach 12 Stunden, sonden erst nach 16 Stunden beginnen.
Zur Prüfung der Trockenheit des Mixtion sollte man etwas Mixtion auf ein nicht saugendes Papier auftragen und nach ca. 15 Stunden mit dem Fingerrücken drüber streichen. Gibt es dabei ein leises knirschendes Geräusch ist die Mixtion zum Aufbringen des Blattgoldes bereit. Wird das Blattgold zu früh aufgelegt, sinkt es im Mixtion ein und verliert komplett den erwünschten Glanz.

Es gibt zur Vereinfachung, anstatt Schellack und Mixtion zu verwenden, eine Goldmilch, die diese ersetzt. Das Ergebnis ist aber beim Vergolden von so kleinen Teilen, wie sie im Schiffsmodellbau verwendet werden, sicher nicht befriedigend, da der erzielte Glanz nie erreicht wird.

Werkzeug zum Blattvergolden.

Zuerst Braucht man natürlich ein Büchlein mit Blattgold. Blattgold gibt es in verschieden Farbtönen und Grössen und ich würde das kleinste Format empfehlen. Da die Blattgoldplättchen egal, wie klein das Format ist, noch immer für eine Vergoldung einer Schnitzerei in unserem Maßstab zu gross sind, muss jedes Goldblatt in kleinere Teile geschnitten werden, um nicht zuviel Abfall zu haben.
Man braucht einen Anschusspinsel um die Goldblätter aus dem Goldbuch zu bekommen und ein Vergolderkissen um sie aufzulegen. Es ratsam immer nur ein Goldblatt aufzulegen. Als nächstes benötigt man ein Goldmesser um die Goldplättchen zu schneiden. Wenn diese in die richtige Grösse geschnitten sind, verwendet man einen Anlegepinsel um die geschnittenen Goldplättchen auf die zu vergoldende Figur aufzubringen.
Alles Zubehör, vom Blattgold angefangen, bekommt man im einschlägigen Fachhandel.

Nun zum Arbeitsvorgang des Vergoldens

Wenn die Mixtion trocken genug ist kann mit dem Vergolden begonnen werden. Zuerst wird mit dem Anschusspinsel ein Goldblatt aus dem Buch genommen. Mit diesem sehr breiten und dünnen Pinsel sollte man sich einige Male über die Wange streichen um ihn statisch aufzuladen, damit das Goldblatt besser hängen bleibt. Danach wird das Goldblatt vorsichtig und langsam auf das Vergolderkissen gebracht und durch kurzes kräftiges Anblasen auf dem Kissen ausgebreitet. Mit dem Goldmesser wird nun das Goldblatt, je nach Grösse der Figur, in kleinere Teile geschnitten. Mit dem Anlegepinsel wird nun Goldplättchen um Goldplättchen auf die Figur angelegt bis keine freie Stelle mehr zu sehen ist. Im ersten Moment sieht das Ganze zwar nicht noch nicht schön aus, da die Übereste der Goldteile, die an keiner Klebstelle mehr haften können, rund herum wegstehen. Mit dem Einkehrpinsel werden nun die Übereste entfernt. Damit diese nicht verloren gehen, empfielt es sich einen Schachteldeckel vor dem Vergolden aufzulegen, um die herabfallenden Teile aufzufangen. Bei starken Hinternterschneidungen zum Beispiel bei Gewandfalten, Haaren und so weiter, wo kein Gold beim ersten Anlegen haften geblieben ist, werden nun die überschüssigen Goldteile die sich in dem Schachteldeckel befinden, mit dem Anlegepinsel wieder aufgenommen und in die freien Stellen gedrückt. Wichtig ist beim Vergolden, dass kein Luftzug vorhanden ist, da die hauchdünnen Goldplättchen sich sonst zusammenfallten und das rchtige Anlegen verhindern.

Nach einem Tag kann dann mit einem Wattebausch die Vergoldung nachgeglänzt werden.
Da die Vergoldung sehr sehr dünn ist, ist eine Schutzschicht aus transparentem Zapponlack empfehlenswert, da sonst bei häufiger Berührung das Gold abgerieben wird. Danach ist die Vergoldung fertig.

Eine "Neue Vergoldung" bei einem Modell, sieht zwar aus der Nähe betrachtet sehr schön aus, aber aus einiger Entfernung kann man, bedingt durch die Kleinheit der Schnitzerei, keine Einzelheiten durch den Glanz mehr erkennen.

Es bleibt natürlich Jedem selbst überlassen ob er das verändern will oder nicht.

Um bei einem Modell - das Blattvergoldet ist - die einzelnen Dekorationen optisch besser hervor zu heben, sollte man die Blattvergoldung patinieren.

Das Patinieren

Zum Patinieren wird Künstler-Ölfarbe im Farbton Siena Natur und Schwarz auf einer Palette gemischt, bis ein dunkler schmutzig graubrauner Farbton entsteht. Mit einem Malpinsel trägt man nun die Farbe auf die Schnitzerei auf und wischt unmittelbar danach mit einem Tuch, das inTerpentin getränkt ist, die Farbe wieder weg. In den Vertiefungen bleibt nun die Farbe erhalten und an den erhabenen Stellen glänzt wieder das Gold. Durch diesen Efekt wirkt die Vergoldung plastischer und man kann nun auch aus grösserem Abstand die Einzelheiten erkennen.
Um den Arbeitsgang des Vergoldens anschaulicher und verständlicher zu machen, habe ich einige Fotos gemacht. Da ich leider keine Figur zum Vergolden hatte, ist das einkehren als letzter Arbeitsgang nur symbolisch auf einer 5 Cent Münze dargestellt.

Grüsse
Willi

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 02.09.2011 11:50 | nach oben springen

#2

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 05.09.2011 01:43
von Kreuzberger • 137 Beiträge

Hallo Willi!

Wahrscheinlich würden bei diesem Thema so manche Modellbauratgeber nervös zusammenzucken, wenn sich auf einmal ein professioneller Vergolder mit 35jähriger Berufserfahrung dazugesellen würde. Denn was da mitunter an haarsträubendem Unsinn verbreitet wird, geht manchmal auf keine Kuhhaut (Polieren einer Ölvergoldung und ähnliches).
In dieser Beziehung wirst du dir aber keine Sorgen zu machen brauchen, denn nach deiner kurzen Einführung in die Geheimnisse des Schnitzens und des Vergoldens bin ich sofort bereit, dich als vollwertigen Vergolderkollegen anzuerkennen :-)

Bin erst vor einigen Tagen (wieder) zu euch gestoßen (geistere noch als Karteileiche Eddie herum, bitte löschen!) und möchte, wenn es irgend geht, mithelfen, die Schiffsmodellbauerei als solche zu fördern, zu propagieren und letztlich aus ihrem Schattendasein herauszuholen. Mehr will ich erst mal nicht, da bin ich ganz bescheiden :-)

Viele Grüße und bis demnächst
Eddie

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#3

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 05.09.2011 13:58
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Hallo Eddie

Freut mich dass du als Profi meinen Artikel anerkennst. Ich habe mir beim Schnitzen und Vergolden meiner York sehr viel Mühe gegeben, um alles so hinzukriegen, damit das Modell einem dreihundert Jahre alten Werftmodell entspricht.
Ich weiss leider nicht ob du Bilder von deinen Modellen ins Forum stellst. ich würde es sehr begrüssen. Ich bin gerade dabei die Bilder für "Schiffsdekorationen 17.- 19. Jahrhundert" - auszuarbeiten, um dann die Beiträge zu schreiben.
Vielleicht kannst du aber zusätzlich zu meinem Artikel übers Vergolden noch zusätzliche Tipps geben.

Grüsse
Willi

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#4

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 05.09.2011 17:08
von Kreuzberger • 137 Beiträge

Hallo Willi,
wie gesagt, an deinem Vergolder-Artikel ist nichts auszusetzen, den hätte ich genauso geschrieben. Solche Beiträge gehen eben immer dann in die Hose, wenn sie von Theoretikern verfasst werden, die sich irgendetwas zusammenreimen.
Einiges ließe sich zwar ergänzen, aber wenn man keine zehn Seiten auf einmal schreiben möchte, dann bespricht man Details natürlich am besten erst dann, wenn sie akut sind.
Ich persönlich würde vielleicht von einem Zaponüberzug abraten, weil er den typischen Goldcharakter m.E. negativ beeinflusst. Auch echte Schiffe waren ölvergoldet und das Blattgold war früher zwar um einiges dicker als heute, aber irgendwann war es durch Wind und Wetter auch durchgerieben. Man darf hier natürlich nicht den Fehler machen, den der örtliche Lelystader Malermeister bei den Hecklaternen der Batavia machte, als er die Vergoldung knallrot unterlegte, statt sie in Ocker vorzustreichen.
Hier in Berlin wurde gerade erst die "Victoria" auf der Siegessäule neu vergoldet. Man muß sich jetzt ne Sonnenbrille aufsetzen, so glitzert und funkelt das Ding wieder. Auf Abbildungen des Vorzustands ist deutlich das Raster der Anschüsse zu sehen und manche besonders exponierte Partien waren in den 30 Jahren, die die letzte Vergoldung zurückliegt, bereits weitgehend entgoldet, aber in der Gesamtwirkung aus der Distanz störte das überhaupt nicht. Das verbliebene Gold in Verbindung mit dem Ocker der Untermalung reichte eigentlich noch vollkommen aus, um einen prächtigen Effekt zu erzielen. Wir Rahmenvergolder setzen einen solchen (künstlichen) Durchrieb sogar als Stilmittel ein, um eine zu makellose und sterile Vergoldung zu beleben.
Aber Schiffsmodelle werden ja nur gelegentlich mal angefasst und das hält eine gute Ölvergoldung immer aus. Allerdings kann eine Patinierung mit terpentinverdünnter Ölfarbe eine frische Ölvergoldung wieder anlösen, da muß man also vorsichtig sein. Ich denke, über das Patinieren werden wir uns noch öfter austauschen, das ist ein hochspannendes Thema :-)

Bis dann erst mal und viele Grüße!
Eddie

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#5

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 05.09.2011 21:39
von Frank • 81 Beiträge

Hallo Willi und Eddie

Na da haben sich ja zwei Profies gefunden. Schön für uns andere, die sich aber bei so viel Fachwissen leider nur als Nutznießer herausstellen.Aber auf jeden Fall werden unsere nächsten Modelle eine ganz andere Qualitätsstufe erreichen, wenn es uns gelingt eure Tips und Ratschläge in die Tat umzusetzen.
Dafür schon mal Danke

Grüße Frank

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#6

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 06.09.2011 01:07
von Kreuzberger • 137 Beiträge

Hallo Frank,

ehrlich gesagt bin ich hier eingestiegen, weil ich den von Willi propagierten Baustil als die einzig wahre hohe Kunst des Schiffmodellbaus ansehe. Genaugenommen ist es ja der englische Navy Board Stil, auf den er sich aber konsequent bezieht. Man kann davon vieles ableiten und der qualitativ hochwertige Modellbau hat ja nicht weniger Varianten hervorgebracht als etwa die Marinemalerei. Gut muß eine Arbeit eben sein, in sich stimmig und professionell umgesetzt. Ich sage das vor allem als Kritiker, denn modellbauerisch habe ich bisher eher experimentiert als Projekte zu Ende gebracht.
Nutzniesser sind wir letztlich alle, wenn wir uns über dieses wunderschöne und interessante Thema austauschen. Und ich lasse mich natürlich gerne auch selbst kritisieren, denn dazulernen wollen wir ja alle.
Bei meinem letzten Vergolderlehrling konnte ich schon nach ein paar Tagen die Peitsche wegstecken und dann hat uns beiden die Ausbildung eigentlich nur noch Spaß gemacht . Er hatte sich auf ein paar Dinge spezialisiert und dann einfach mich belehrt und zur Schnecke gemacht. Und so muß es sein :-)

Viele Grüße
Eddie

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#7

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 06.09.2011 20:43
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Hey Eddie

Learning by doing also ,hat noch nie geschadet und wenn mann sich damit befasstkommen einem schon mal ein paar gute Ideen. Der Rest ist ausprobieren.
Der Schebekentyp würde mich interressieren, wird Zeit für ein paar Bilder.

Grüße Frank

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#8

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 07.09.2011 08:43
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Hallo Eddie

Du hast natürlich absolut recht ,dass eine Patinierung eine frische Vergoldung anlösen kann. deshalb habe ich die Vergoldung mit Zapponlack - allerdings erst nach drei Monaten - überlackiert. Da unsere Modellbaugruppe und ich immer wieder bei Modellbau - Austellungen unsere Modelle präsentieren um gleichgesinnte zu finden, müssen wir die Modelle immer wieder in die Hand nehmen. Auch bei mir zu Hause muss ich es immer wieder angreifen um es abzustauben, da es in keiner Vitrine steht. Das Modell der York ist jetzt bereits über 25 Jahre
alt, hunderte Male in die genommen worden und die Vergoldung sieht genau so aus wie am ersten Tag.

Grüsse
Willi

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#9

RE: Vergolden

in Schiffsdekorationen und Verzierungen des 17. bis 19. Jahrhunderts 07.09.2011 18:53
von Kreuzberger • 137 Beiträge

Hallo Willi!

Danke für deine Fotos! Das Schiff kenne ich bereits aus einer kleinen SW-Abbildung. So in Farbe und mit den ganzen Details ist es natürlich eine prima Quelle für mein Projekt!
Ich muß gleich wieder weg, werde aber heute Abend nochmal darauf eingehen und versuchen, auf meinem Patache-Thread aktuellere Fotos zu zeigen und auch etwas über die geschichtlichen Hintergründe dieses Entwurfs zu erzählen.

Bis später! Eddie

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