#1

Modell Admiral Tegetthof - der Mut zum ganz normalen Wahnsinn

in Segelschiffe und andere...... 19.10.2011 11:45
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Servus alle die dieses Thema interessiert

Der Bau des Expeditionsschiffes Admiral Tegetthoff im Maßstab 1:20 für die ORF Doku ARKTIS NORD-OST

Im Jänner 1992 wurde ich von meinem Freund Rudie Ermer angerufen zu einem Treffen mit zwei ORF Leuten zu kommen, die ein Segelschiffsmodell für eine Dokumentation benötigten.
Ich war nicht sehr begeistert und beschloss den Auftrag auf keinen Fall anzunehmen, ging aber trotzdem hin.
Regisseur Helmut Voitl und Elisabeth Guggenberger teilten mir mit, dass der ORF zu 1000 Jahre Österreich einen Beitrag mit einer Dokumetation über die einzige Österreichische Polar-Expedition 1872-74 leisten wolte und sie dafür ein Modell des Expeditionsschiffes benötigten. Voitl erklärte mir weiterhin, dass er bereits versucht hätte in Deutschland, wo das Originalschiff
gebaut wurde, Modellbauer zu finden, aber diese abgelehnt hätten. Nach weiteren Erkundigungen habe ihm das Heeresgschichtliche Museum geraten sich an mich zu wenden. Nur weil ihm die Telefonnummer nicht bekannt war habe er Rudie Ermer ersucht mich zu kontaktieren uind er setze nun seine seine ganze Hoffnung auf mich und unsere Modellbaugruppe, da der Bau
des Modelles einige, wie er es nannte Spezifikationen, hatte. Da er die Dokumentation so naturgetreu wie möglich gestalten wollte, musste das Modell in allen Details dem Originalschiff entsprechen und sollte auch die Gefahren denen das Schiff ausgesetzt, war in der Dokumentation zeigen. Der Admiral Tegetthoff, so war der Name des Schiffes, wurde nähmlich in den arktischen Regionen zweimal vom Eis eingeschlossen, wobei er beim zweiten Mal nicht mehr freikam und gefangen in einer riesigen Eischolle in Richtung Nordpol driftete. Eines Tages landete die Eischolle mit dem Schiff an einem bis dahin unbekanntes Archipel, dass der Kapitän des Schiffes zu Ehren des Kaisers Franz- Josef Land nannte. In den Zeiten der Eineisung
gefährdeten starke Eispressungen das Schiff, sodass der Kapitän Angst hatte sein Schiff zu verlieren. Diese Eispressungen seien ein Teil der Dokumentation und daher sollte das Modell
In einem Eiskanal bei bis zu Minus 50 Grad Celsius eingefroren werden, um die Eispressungen zu filmen. Das Modell musste aber , wie das Originalschiff diese Eispressungen unbeschädigt
überstehen, da es nach Abschluss der Deharbeiten in ein Wiener Museum kommen sollte. Das Modell musste daher auch in Museumsqualität hergestellt werden. Der Überhammer war aber,
dass er das Modell im Maßstab 1:10 haben wollte und die Bauzeit maximal neun Monate betragen durfte, da er auch am Originalschauplatz Franz Josefs Land filmen musste.

Mit seinen Ausführungen über die Expedition dem Mut von Mannschaft und Kapitän und der glücklichen Rückkehr aller Beteiligten, hatte er mich soweit gebracht, dass ich bereit war den Auftrag anzunehmen, unter der Bedingung, dass das Modell im Maßstab 1:20 gebaut wurde. Ich erklärte ihm, dass wenn zwei weitere Modellbauer aus unserer Gruppe mitmachen würden und das Modell im ORF- Zentrum von uns gebaut werden könnte, es all seinen Anforderungen gerecht würde. Ich wusste dieser Modellbau war der Mut zum ganz normalen Wahnsinn, ein extremes Risiko und eine Herausforderung sondergleichen. Mit einer kleinen Lüge über die aufzuwendenden Arbeitsstunden und Argumenten die für den Bau sprachen, konnte ich Rudie Ermer, von Beruf Programierer, der mir die ganze Sache eingebrockt hatte und Adolf Achtsnit unseren Polizisten überzeugen mitzumachen. Ich selbst war noch als Strassenbahnfahrer bei den Wiener Linien beschäftigt und hatte durch meinen Schichtdienst ebenso wie Adolf mehr Zeit beim Bau im ORF - Zentrum zu verbringen als Rudie.
Begonnen wurde mit dem Bau, nachdem ich die benötigte Holzmenge berechnet hatte und als Bauholz Ahornbretter für Beblankung, Masten, Rahen und Aufbautern ausgesucht hatte,
am 18 März 1992 und die Übergabe des fertigen Modells erfolgte am 11. Jänner.

Das Modell überstand alle Belastungen schadlos und steht zum Gedenken an die Österreichische Polar- Expedition 1872-74 im Naturhistorischen Museum in Wien.

Anhand der vielen Fotos und den von mir angefertigten Zeichnungen muss ich den Beitrag in mehrere Folgen aufteilen.
Bilder aus der Dokumentation
Bilder vom Bau des Rumpfes und Zeichnugen
Bilder der Takelage und Zeichnungen
Detailfitos des fertigen Modells
Und Fotos des Modells im Museum.
Zu den Fotos kommen dann die Berichte vom Bau.
Als Einstimmung die ersten Bilder - Der Werftplan nach dem gebaut wurde, ein Foto vom Originalschiff, das für den Bau notwendig war, das Modell vollgetakelt und bei der ersten Belastugsprobe, die von uns vor den Dreharbeiten durchgeführt wurde.
Die Fortsetzungen folgen sobald wie möglich.

Grüsse
Willi

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#2

RE: Modell Admiral Tegetthof - der Mut zum ganz normalen Wahnsinn

in Segelschiffe und andere...... 19.10.2011 12:50
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

irres Projekt, vor allem in diesem Zeitraum. Da ich weiß, was Schichtdienst heißt (bin selber fast 20 Jahre bei der DB als Lokführer gefahren), kann ich das mit der mehr Zeit nachvollziehen. Aber deine Frau und Kinder hast Du bestimmt nicht gesehen in dem Zeitraum, höchstens mal zum Guten Tag oder Gute Nacht sagen. Aber ich sag ja immer, ein bissel (ist auf mich bezogen) bekloppt muss man schon sein um Schiffsmodelle zu bauen. In neun Monaten, in 1:20 und dann in die Kühlkammer, siehe Satz vorher. Bin gespannt auf die Fortsetzungen.

Grüße Kay

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#3

RE: Modell Admiral Tegetthof - der Mut zum ganz normalen Wahnsinn

in Segelschiffe und andere...... 20.10.2011 10:35
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Forsetzung
Um die Fotos veständlicher zu machen möchte ich noch zuvor noch kurz auf die Österreichische Polar - Expedition eingehen.

Der Zweck der Expedition war eine Nord-Ost Passage nach Asien zu finden.
Ein Jahr zuvor hatten Linienschiffskapitän Carl Weyprecht, der spätere Kapitän des Admiral Tregetthof, und Oberleutnant Julis Payer, eine Erkundungsfahrt in die Arktischen-Gewässer unternommen, um heraus zu finden wie weit nach Süden die Eiszone reichen würde. Da die Ergebnisse äusserst befriedigend waren, schien das Unternehmen eine Nord Ost Passage zu finden durchführbar.
Carl Weyprecht liess dafür in Bremerhaven - in der Werft Tecklenborg - das Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff , mit 36 Metern in der Decklänge, 7 Meter in der Breite und mit einer Dampfmaschine ausgerüstet, bauen. Das Geld dafür wurde teilweise von Graf Wilczek, der Wiener Bevölkerung und dem Kaiserhaus aufgebracht.
Bei Beginn der Expedition 1872 verschlechterte sich das Wetter schon nach kurzer Zeit und unmittelbar nach der Insel Novaja Semlia traf das Expeditionsschiff auf die ersten Eisschollen.
Kurz danach war der Admiral Tegetthoff vom Eis eingeschlossen und die ersten Eispressungen begannen. Mit viel Mühe gelang es der Mannschaft das Schiff wieder freizbekommen.
Als das Schiff das zweite Mal vom Eis eingeschlossen wurde und die Eispressungen stärker als die vorangegangen waren, scheiterten alle Versuche und der Admiral Tegetthoff drifftete eingeschlossen in einer riesigen Eisscholle steuerlos in Richtung Nordpol.
Eines Tages landete die Eisscholle an einem bis dahin Unbekannten Archipel, das nach dem Kaiser " Franz Josef- Land " benannt wurde. Es wurden Erkundungs - und Vermessungreisen mit den migeführten Schlitten und Hunden durchgeführt und jeder hoffte, dass das Schiff wieder freikommen würde. Als sich diese Hoffnung nicht bestätigte und die Vorräte langsam zu Ende gingen, beschloss Carl Weyprecht das Schiff zu verlassen und mit den Schlitten, auf denen die Beiboote und die Ausrüstung geladen wurde, über die unendliche Eiswüste richtung Süden zu wandern, um offenes Wasser zu finden. Nach drei Monaten unter grössten Strapazen schafften sie das unmöglich scheinende. Die Beiboote wurden zu Wasser gelassen und nach einigen Tagen trafen sie auf einen russischen Walfänger.
Alle kamen wohlbehalten zu Hause wieder an, bis auf den Maschnisten Otto Krisch, der bereits auf Franz Josef - Land an einem Lungenleide verstarb.

Das Schicksal des Admiral Tegetthoff in Bildern aus der Dokumetation - Teil 1

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#4

RE: Modell Admiral Tegetthof - der Mut zum ganz normalen Wahnsinn

in Segelschiffe und andere...... 20.10.2011 10:39
von schifferlbauer • 157 Beiträge

Fortsetzung

Das Schicksal des Admiral Tegetthoff Teil 2

Der Beitrag wird mit dem Baubericht fortgesetzt

Grüsse Willi

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RE: Modell Admiral Tegetthof - der Mut zum ganz normalen Wahnsinn

in Segelschiffe und andere...... 20.10.2011 19:43
von Kay (gelöscht)
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Hallo Willi,

wie immer großes Kino!! Es ist aber doch erstaunlich, dass das Schiff keinen größeren Schaden genommen hat. Wenn ich bedenke, welche Kraft Eis hat.....
Ich habe mal als Kind im Winter eine Glasflasche voll Wasser bei Minusgraden in den Schnee gesteckt. Nächsten Tag war sie kaputt. Klar, das Eis konnte aus der Flasche nicht raus, Und bei der Tegetthoff
hat es sich aufgetürmt. Aber unten ist ja neues nachgerückt. Ist schon irre!!

Grüße Kay

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#6

RE: Modell Admiral Tegetthof - der Mut zum ganz normalen Wahnsinn

in Segelschiffe und andere...... 20.10.2011 22:36
von Kreuzberger • 137 Beiträge

Tolle Geschichte! Bin schon gespannt auf das Video! :-)

Gruß Eddie

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